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[ Matterhorn 2005]


   

Bericht Matterhorn September 2005

Das Matterhorn - ein Berg mit vielen Attributen, kein gewöhnlicher Berg!
Der schönste Berg Europas, oder überlaufen, uninterssant, brüchig, gefährlich?
Ich wollte es wissen und rief wieder einmal den Jürgen an, mit dem ich 1999 schon am Mont Blanc war. Um den Massen auszuweichen, entschieden wir uns für Mitte September. Der erste Blick von Zermatt aufs Horn ist beeindruckend, je näher man kommt, desto imposanter baut es sich vor dir auf.
Auf der Hörnli-Hütte (3260 m) geht es in der Nachsaison bereits sehr gemütlich zu, bei einer Geburtstagsfeier gibt's spontane Musikbeiträge.
Jürgen schaut sich am späten Nachmittag noch den Beginn der Tour an und klettert bis zur Hälfte in einem Wahnsinnstempo hoch. Zum Abendessen ist er pünktlich wieder da, ich bin beeindruckt. Sind wir die ersten seit einer Woche, die morgen am Gipfel stehen werden, wie schaut´s oben mit dem Neuschnee aus, bin ich genügend vorbereitet und akklimatisiert? - diese Fragen geistern mir vor dem Einschlafen durch den Kopf.
In der Nacht kommt ein rescher Sturm auf. Morgens sehen wir, dass dieser frischen Schnee in unsere Route geweht hat, was den Hörnilgrat nicht gerade leichter macht. Deshalb sichern wir sorgfältig, bauen Stände und sind dadurch langsamer, als geplant. Der weiche Schnee am Fels ist heimtückisch, darunter manchmal Eis, wir klettern wie "auf rohen Eiern". Trotz wolkenlosem Himmel bläst der Wind gewaltig von der Nordwand herüber. Gegen Mittag erreichen wir die Solvay Biwak-Hütte auf 4008 m, direkt unter der Schulter. Aufgrund der Verhältnisse beschließen wir, hier umzudrehen, schließlich ist der Abstieg um nichts leichter oder schneller.
Ein phantastisches Bergerlebnis - ohne Gipfelsieg - auch das ist möglich! Und es bleibt ein triftiger Grund, wieder hier her zu kommen.

So weit der Bericht von Christoph, vielen Dank dafür! Ja, es waren wirklich keine guten Bedingungen am Berg, und wir haben schweren Herzens umgedreht. Aber so ist es nun mal beim Bergsteigen, das Umkehren ist oftmals schwieriger als das weitergehen. Ich bin froh über unsere Entscheidung, und noch mehr freut es mich, dass es für Christoph und mich trotzdem eine außerordentlich schöne Tour war, die sich gelohnt hat, die genauso in unserer Erinnerung bleiben wird, wie jene Touren, die von einem Gipfelerfolg gekrönt sind. Es war eine jener Touren, die uns die Erkenntnis gewinnen lassen, dass es weniger darauf ankommt, auf irgendwelche Gipfel zu gelangen, selbst wenn es der Gipfel des Matterhorns ist. Es kommt vielmehr darauf an, überhaupt in diesen grandiosen Landschaften unterwegs zu sein.

Und trotzdem: Es würde mich sehr freuen, gemeinsam mit Christoph wieder aufzubrechen und es noch einmal zu versuchen, dieses Unterwegssein mit dem Gipfel zu krönen.

 



 
   

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